Plasma - die Kraft der Gesundheit

Blutplasma kann Leben retten

Tausende von Menschen sind auf Plasmapräparate angewiesen. Vor allem Menschen mit Störungen der Blutgerinnung brauchen diese dringend. Denn bereits kleine Verletzungen können dazu führen, dass sie grosse Mengen Blut verlieren. Plasmapräparate helfen, die Blutungen zu stoppen. Aber auch Menschen mit Defiziten des Immunsystems benötigen Plasma, um die körpereigene Immunabwehr zu unterstützen.

Warum ist menschliches Blutplasma unersetzlich?

Das menschliche Blutplasma enthält wertvolle Proteine, die für die Herstellung zahlreicher Medikamente nach wie vor unersetzlich sind. Heute sind über 100 verschiedene Eiweissstoffe im Blutplasma nachweisbar. Sie lassen sich in drei Hauptgruppen einteilen: Immunglobuline, Albumine und Gerinnungsfaktoren.

Immunglobuline

Diese Proteine sind notwendig für eine natürliche Immunabwehr des Körpers. Fehlen sie, ist das Immunsystem geschwächt und anfällig für Infektionen. Immunglobuline spielen eine entscheidende Rolle in der Behandlung von Erkrankungen des Immunsystems. Bei diesen Krankheiten richtet das Immunsystem seine Abwehr gegen das körpereigene Gewebe.

Albumine

Diese Eiweissstoffe machen über 50 Prozent aller Proteine im menschlichen Plasma aus. Albumine sind das natürliche Transportmittel für verschiedenste Stoffe im Blut – wie Hormone oder zahlreiche Medikamente. Albumine regulieren den Wasserhaushalt und den Stoffwechsel. Sie werden eingesetzt, um nach schweren Schockunfällen, bei Verbrennungen oder schweren Blutverlusten den Flüssigkeitshaushalt zu stabilisieren.

Gerinnungsfaktoren

Es gibt 13 Gerinnungsfaktoren im Blutplasma. Diese Eiweisstoffe wirken wie Enzyme. Das bedeutet, dass sie gewisse Reaktionen auslösen oder beschleunigen. Es gibt verschiedene Ausprägungen der Bluterkrankheit oder Hämophilie, bei der verschiedene Gerinnungsfaktoren im Blutplasma fehlen. Dies führt zu Störungen der natürlichen Blutgerinnung. Bei Hämophilie A beispielsweise fehlt der Faktor VIII.

Natürliches Plasma wird auch direkt bei schweren Blutverlusten und Operationen verwendet.

Blutderivate aus menschlichem Blutplasma

Immunoglobuline

Immunoglobuline sind ein üblicher Bestandteil des menschlichen Plasmas, der als Antwort auf Kontakt des Organismus mit Antigen entsteht (z.B. mit Bakterien, Viren usw.). Es sind die Antikörper, die dem menschlichen Körper im Kampf gegen Infektion helfen. Die aus dem menschlichen Plasma gewonnenen Immunoglobuline, die in die zur Anwendung geeignete Form verarbeitetet werden, können zur Behandlung verschiedener Krankheiten verwendet werden.

Immunoglobuline kann man in Form einer Lösung direkt in die Patientenvene durch die Infusion gegeben werden. Einige Präparate kann man auch unter die Haut geben. Es wird ein ganzes Spektrum von Immunoglobuline appliziert oder nur ein spezifischer Immunoglobulin.

Beispiele der Krankheiten, bei denen Immunoglobuline gegeben werden:

  • Patienten mit einem primären Immunodefizit, d.h. angeborene Erkrankung des Imunitätssystems

  • Patienten mit einigen onkologischen (Geschwulst-) Krankheiten

  • Patienten mit einigen Blutkrankheiten (z.B. Leukämie), bei der Transplantation des Knochenmarks

  • Patienten mit einigen autoimunen Krankheiten im Rahmen der Imunomodulationsbehandlung

Menschliches Albumin

Anwendung:

  • Nachfüllung des Albumins bei Kranken mit niedrigen Albuminwerten im Plasma

  • Behandlung der hypovolemischen Zustände: Schock (hemographisch,….)

  • Plasma- oder Albuminverlust vor, im Laufe und nach den Operationen

  • Bei Brandwunden

  • Erkrankung der Leber, Nieren, des Verdauungstrakts

  • Beim Kernikter der Neugeborenen, beim Gehirnödem, beim toxischen Kollaps

  • Beim Plasmaaustausch und Substituion des Volumens

Faktor VIII

Das Konzentrat des menschlichen Koagulationsfaktors VIII ist ein Pulver zur Vorbereitung der Impfungslösung. Es wird bei folgenden Krankheiten benutzt:

  • Profylaxion und Behandlung der Blutung bei Hämophilie Typ A. Hämophilie A ist eine Erbkrankheit, wobei der Faktor VIII fehlt

  • Bei den Patienten mit dem gewonnenem Defizit des Koagulationsfaktors VIII

Faktor IX

Das Konzentrat des menschlichen Koagulationsfaktors IX ist ein Pulver zur Vorbereitung der Impfungslösung. Es wird bei folgenden Krankheiten benutzt:

  • Profylaxion oder Blutungsbehandlung bei der Hämophilie Typ B. Hämophilie B ist eine Erbkrankheit, wobei der Faktor IX fehlt

  • Bei den Patienten mit anderen Krankheiten, die mit dem Defizit des Koagulationsfaktors IX verbunden sind

Menschliches Protrombin-Komplex (menschliche Koagulationsfaktore II, VII, IX, X, Protein C, Protein S)

Anwendung:

  • Behandlung und Prävention der Blutung nach einem chirurgischen Eingriff bei den Patienten mit gewonnenem Mangel an Faktoren II, VII, IX, X, die durch perorale Antikoagulanz, schwere Erkrankung der Leber, Defizit am Vitamin K verursacht werden

  • Behandlung oder Prävention der Blutung bei den Patienten mit angeborenem Mangel an Faktoren II, VII, IX, X, falls ihre Konzentrate nicht zur Verfügung stehen

«Wir sind nicht allein»: die Mutter von Jindrich erzählt

«Es begann alles ganz unspektakulär. Wir waren einfach eine glückliche Familie. Wir hatten so viel Freude an unserer kleinen Tochter, dass wir uns bald ein zweites Kind wünschten, am liebsten einen Jungen. Während der ganzen Schwangerschaft habe ich gehofft, einen Jungen zu bekommen. Wie gross war meine Freude, als ich tatsächlich einen Sohn zur Welt brachte!

Unser Sohn gedieh prächtig. Wie jedes gesunde Baby begann er im Alter von etwa sechs Monaten aktiv zu werden. Zu diesem Zeitpunkt sind uns erstmals seine Prellungen aufgefallen. Wir konsultierten einen Kinderarzt, dachten aber an nichts Ernstes. Wir vermuteten, dass unser Junge ein Problem mit der Blutgerinnung haben könnte, hofften aber, dieses mit Vitaminen lösen zu können. Das Ergebnis der Untersuchung war ein schwerer Schicksalsschlag: Der Arzt diagnostizierte bei unserem Sohn eine schwere Form von Hämophilie A.

Ich gebe zu, dass ich in erster Reaktion die Diagnose nicht wahrhaben wollte. Ich wollte sie aus meinen Gedanken einfach löschen.

Ein schwer krankes Kind zu haben, löst sehr gemischte Gefühle aus. Man will um dieses Kind kämpfen, um jeden Preis. Gleichzeitig fühlt man sich einsam und verlassen, vom Schicksal betrogen. Ich war sehr unglücklich.

Es ist gut jemanden zu haben, mit dem man einfach nur sprechen kann.

Mein Mann und ich entschieden uns, den Verband Hemojunior zu kontaktieren. Dank Hemojunior haben wir wunderbare Menschen kennengelernt - meist Eltern junger Bluter, die versuchen, das Leben zu nehmen, wie es kommt. An gemeinsamen Wochenenden mit anderen Eltern und Fachleuten haben wir viel Zuspruch erhalten, emotionale Unterstützung und konkrete Ratschläge, wie wir mit dieser Krankheit leben sollen. Es tat uns gut zu sehen, dass die kranken Kinder bei entsprechender Behandlung genauso ausgelassen leben können wie gesunde.


 Trotz weiterer Komplikationen, die nach dem fünften Geburtstag unseres Sohnes aufgetreten sind, sind wir frohen Mutes. Unsere Familie hat mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, aber wir wissen, dass wir nicht allein sind. Wir werden unterstützt. Dafür bedanken wir uns – beim Verband Hemojunior und allen Menschen, die uns beistehen.»

Katerina Altmanova erzählt: «Die Hämophilie wird immer unser Leben bestimmen»

«Ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit. Als ich ein kleines Mädchen war, hörte ich meine Oma erzählen, wie ihr Vater wegen einer Verletzung bei Waldarbeiten verblutet ist. Auch von meinem Uronkel erzählte sie, der starb, nachdem ihm ein Zahn gezogen worden war. Ich verstand damals nicht, warum meine Oma so grosse Angst um ihren Sohn, meinen Onkel, hatte, und warum sie immer wieder wissen wollte, was ihm zugestossen sei. Ein anderes Mal besuchte sie ihn im Krankenhaus und sprach über Transfusion, über Plasma…

Ich war etwa 13 Jahre alt, als feststand, dass ich Trägerin der Hämophilie A bin.

Etwa zehn Jahre später heiratete ich und wurde schwanger. Ich interessierte mich fortan mehr für Hämophilie und begann erst dann, meine Kindheitserinnerungen zu verstehen. Ich kontaktierte meinen Hämatologen und vereinbarte ein Gespräch zusammen mit meinem Mann. Der Hämatologe fragte, ob wir einen Schwangerschaftsabbruch in Erwägung ziehen, aber wir entschieden uns sofort und eindeutig für unser Kind. Warum auch sollte ich nicht einen Bluter gebären, wo es doch meine Oma im Krieg geschafft hatte! Warum sollte ich die Schwangerschaft abbrechen, wenn die heutige Medizin doch viel weiter entwickelt ist als früher!

Im Dezember 2004 kam unser Sohn Péťa auf die Welt. Er wurde sofort von einem Hämatologen untersucht, sodass wir wussten, dass er ein Bluter ist, noch bevor wir die Gebärklinik verlassen haben. Die ersten Jahre verliefen ganz ruhig. Péta blutete nur ab und zu und wir lernten diese Blutungen zu behandeln. Zu seinem grössten Problem, gerade in den vergangenen Jahren und Monaten, wurde der Zahnwechsel – jeder Zahn verursachte eine heftige Blutung. Auch die Knie wurden langsam zum Problem, das wir mit Rehabilitation und Verbänden zu mildern versuchen.

Dank einer tollen Krankenschwester im Krankenhaus Motol, hat Péťa gelernt, bei Medikamentenapplikation tapfer mitzumachen. Zuerst wurden die Medikamente über seinen Handrücken verabreicht, später über die Ellbogenkehle. Wir lernten die Medikamente selbst zu Hause zu verabreichen. Seitdem aber Péťa mit acht Jahren aus einem Lager zurückgekommen ist, das vom tschechischen Hämophilieverein veranstaltet worden war, kann er seine Medikamente selbst verdünnen und applizieren. Er führt auch sorgfältig sein Behandlungsprotokoll.

Für uns Eltern ist es ein tolles Gefühl zu wissen, dass er selbständig ist und es schafft, sich selbst zu helfen. Es ist eine Freude und Erleichterung zugleich.

Wir bemühen uns, Peta eine Kindheit zu ermöglichen, wie sie auch andere Kinder haben. Deshalb haben wir uns dem Verein Hemojunior angeschlossen. Es ist für uns eine wichtige Hilfe, in vielfacher Hinsicht. Sonst versteht niemand genau, warum Péťa immer und überall seine Medikamente mitzunehmen braucht oder wieso er diese oder jene Sportart nicht macht. Und Péťa selbst mag manchmal nicht mehr erklären.

Dank Hemojunior treffen wir aber andere Familien mit Hämophilie. Peta hat hier Freunde gefunden, Freunde, die begreifen, dass er nicht mitspielen geht, weil er Schmerzen hat, aber mit denen er auch seine Freuden, Erfolge oder Hobbys teilen kann. Auch für mich und meinen Mann Petr sind die Treffen mit anderen Familien wichtig. Hier bedauert mich niemand, weil ich ein krankes Kind habe. Dafür haben diese Freunde Verständnis, wenn ich um Mitternacht anrufe und sage, dass der Zahn von Peta blutet. Darin liegt der Sinn dieses Vereins – in gegenseitiger Unterstützung, im Gespräch, im Austausch.

In ein paar Monaten beginnt in unserer Familie eine neue „Bluter-Geschichte“. Meine jüngere Schwester – auch sie eine Trägerin - bringt einen Sohn zur Welt. Meine Tochter Kačka spricht bereits mit ihren 4 Jahren 'Wenn ich gross werde, und einen Bluter habe…'

Damit ist klar, dass die Geschichte meiner Familie weiter von Hämophilie bestimmt bleibt. Eines Tages werde ich wahrscheinlich auch mal Oma eines Bluters sein. Ich hoffe nur, dass die Therapie in der Zwischenzeit einen Schritt nach vorne macht.»

Weitere Informationen zu Plasmaspende finden Sie auf der tschechischen Seite der sanaplasma hier